Hier folgt nun der zweite Teil des Fast Pack Reviews mit meinen persönlichen Erfahrungen:

Verarbeitung:
Der Rucksack kam schon gebraucht zu mir – aus einem Tierhaushalt, um genau zu sein einem Katzenhaushalt. Das Erste, dass ich also erledigen musste, war mit dem Staubsauger den gesamten Rucksack abzusaugen und einmal abzuwischen, weil der Vorbesitzer sich scheinbar einen Dreck um den Rucksack geschert hatte. Dementsprechend groß war zunächst meine Wut, weil er nichts davon erwähnt hatte, aber gleichzeitig meine Überraschung als der Rucksack dann sauber war.

Durch die hochwertigen Materialen sowie die saubere Verarbeitung, sah der Rucksack nach meiner Kur wie neu aus. Nach zwei Jahren intensiver Benutzung hat sich daran nicht viel geändert.

Zunächst wurde er nur zum Reisen innerhalb Österreichs verwendet. Zug, Bus, Auto – also alles relativ unspektakulär. Mittlerweile wurde damit aber auch gesiedelt und gereist. Außerdem ist bei meinen Reviews im Wald der Rucksack immer dabei, da er für den Transport von Stativen ideal ist. Weiters hatte ich ihn beim Skaten, auf der Piste und am Schießstand dabei, wo er mir sogar als Schießauflage gedient hat. Und so weiter und so fort.

Bei all diesen Aktivitäten sind mir sowohl positive als auch negative Aspekte aufgefallen.

Das Packen und die Funktionalität der Außentaschen:

Wer Rucksäcke hat weiß, dass man dazu neigt sie zu Überpacken. Jeder Zentimeter wird ausgenützt und man wundert sich, was man mit ein wenig Innovation in einen Rucksack bekommen kann. [Anm. Speziell muss ich an meine Zeit beim Heer denken, als ich komplett überfordert war mit dem Problem, wie alles zu packen ist. Im krassen Gegensatz dazu, war nach der Grundausbildung immer alles so verpackt, dass sogar noch Platz war.]

Wie verhält sich also das FAST Pack?

Das Hauptfach ist nur zu 2/3 öffenbar. Das hat Vor- aber auch Nachteile: Einerseits kann man damit verhindern, dass der Inhalt aus dem Rucksack fällt, andererseits hat man nicht den Vorteil eines Clamshell Designs, bei dem man den Rucksack auf den Rücken legen und somit einen kompletten Zugang zum Inhalt haben kann.

Mir persönlich würde insofern ein Clamshell Design besser gefallen, denn nachdem der Rucksack nicht so tief ist, wird es bei vielen Kleinteilen schnell unübersichtlich und das Packen bzw. vor allem das Auspacken als solches mühsamer. Hier muss man sich also von Anfang an Gedanken machen, WIE man WAS als Erstes versorgt. Wer dazu nicht in der Lage ist, wird Probleme bekommen.

Ein anderes Problem sind jedoch die Außentaschen:

Grundsätzlich sind sie alle leicht zugänglich, funktional und durch das Design tragen sie nicht auf. Das Konzept des Rucksacks ist sehr stromlinienförmig und er kann wunderbar komprimiert werden.

Dieser Aufbau hat aber auch seinen Preis: Da sich die Außentaschen geradezu an den Korpus des Rucksacks „anschmiegen“ und nicht aufgesetzt im eigentlichen Sinne sind, verlieren sie an Aufnahmefähigkeit, sobald das Hauptfach wirklich voll gepackt ist. Dies ist zwar bei der aktuellen Generation nicht mehr so gravierend wie bei den vorherigen, fällt aber dennoch negativ auf.

Dazu kommt, dass bei einem wirklich vollgepackten Rucksack, sich das Fast Pack trotz Frame Sheet abrundet und die Rückenpolsterung nicht mehr 100%ig am Rücken aufliegt und somit das Gewicht nicht mehr gleichmäßig am Rücken verteilen kann.

Man muss wiederum auch erwähnen, dass auch dieses Problem in der neuesten Generation durch die neue Rückenpolsterung auf ein Minimum reduziert werden konnte. Eine atemberaubende Atmungsfähigkeit im Rückenbereich sollte man sich dennoch nicht erwarten. Das Fast Pack ist sicher besser als jeder herkömmliche Kampfrucksack, aber er hat auch nicht die Luftzirkulation, wie man sie bei Trekking und Tourenrucksäcken finden kann.

Beavertail:

Der Beaver- oder Transportertail des Fast Pack ist wirklich eine feine Angelegenheit. Die Kompressionsriemen dienen zum weiteren Fixieren und die Länge ist flexibel einstellbar. Die Öffnung im Tail könnte breiter sein. Ein Skateboard geht sich beispielsweise nicht aus, Stative und Gewehre schon.

Bei älteren Generationen gab es das Problem, dass die Riemen des Beavertail diagonal an der Seite des Rucksack angebracht waren und damit etwaigen MOLLE Taschen im Weg waren. Bei der neuesten Generation läuft alles parallel und man kann Gurte etc. dazwischen durch fädeln.

Trotzdem sitzt alles auch bei einem voll gepackten Rucksack ein wenig locker – das Tail rutscht immer ein wenig nach unten.
Das Problem liegt daran, dass man es zwar an den Seiten festzurren und sogar dank der innovativen ITW Buckles die Gurte fest arretieren machen kann, jedoch keine Möglichkeit hat das Tail vertikal zu fixieren. Es ist zwar ein D-Ring angebracht, womit man das Tail vertikal fixieren könnte, aber hierfür müsste man die Patchfläche an der Front opfern, um noch eine MOLLE/PALS Reihe anzubringen, damit das Tail wirklich fest zu fixieren wäre.

Es soll jetzt nicht der Eindruck entstehen, dass alles locker ist, aber es ist auch nicht so fest fixierbar, wie ich es mir vorstelle. Vor allem wenn man die MOLLE/PALS Fläche am Tail selbst benutzen will, wird man früher oder später mit diesem Problem konfrontiert.

Geheimfach:

Wie schon erwähnt, hat der Rucksack ein Geheimfach auf der rechten Seite. Als „flashlight cave“ bezeichnet, wird einem hier die Möglichkeit gegeben, Schlüssel, kleine Taschenlampen oder Messer  per D-Ring zu sichern.

Ich habe meinen TAD Gearkeeper darin angebracht und das war es dann auch. In den zwei Jahren, in denen ich den Rucksack habe, wurde dieses Fach von mir genau einmal benutzt.
Hier ist auch das Problem vorhanden, dass das Fach nicht benutzbar ist, sobald der Rucksack vollgepackt ist.

Gewicht:

Das Gewicht des Rucksack ist ein Wahnsinn. Leergewicht 2kg!

1000er Cordura, ein Framesheet, die ganzen Schnallen, die Polsterung sowie das Gurtband für die MOLLE/PALS Flächen fordern ihren Tribut. Man hebt den Rucksack auf und denkt, dass er voll ist. Gut, einige Leute stehen darauf, wenn ein Rucksack so massiv ist. Dennoch wird mir jeder bestätigen, dass ab einer gewissen Kilometer Zahl jeder Kilogramm subjektiv doppelt so viel wiegt.

Das führt mich aber gleich zum nächsten Punkt…

Tragesystem:

Das Tragesystem ist meiner Meinung nach eines der besten, dass man bei einem Rucksack in dieser Größe bekommen kann. Die Schultergurte sind wirklich genial anatomisch geformt, gleichzeitig gepolstert UND dünn und tragen somit nicht wie andere Schultergurte durch dickes Polstermaterial unnötig auf. Dasselbe gilt für den Bauchgurt, der angenehm zu tragen ist, und sogar als Battle Belt verwendet werden kann, wenn man ihn separat als solchen konzipieren will.

Ich habe bereits das Gewicht des Rucksacks kritisiert – durch dieses Tragesystem relativiert sich das Problem markant! Alles wird perfekt verteilt, der schwere Rucksack ist plötzlich nicht mehr bemerkbar.

Der einzige Nachteil, der mir hier auffallen würde ist, dass von den Schultergurten jeweils ein Riemen mit Schnalle über die Spitze des Rucksackes nach hinten geht, um ihn so näher zum Körper zu ziehen. Dadurch wird das Gewicht zwar noch besser verteilt, ein Zugang zum Hauptfach setzt dann aber immer voraus, dass man diese Riemen abschnallt, bzw. notdürftig zur Seite schiebt.

Weiteres/Sonstiges:
Am Rücken ist eine Hypalon Fläche angebracht, die verhindern soll, dass der Rucksack konsequent die Jacke, Fleece oder das Hemd hochzieht. Das Problem dürfte jedermann bei Rucksäcken bekannt sein.

Hier gab es Beschwerden, dass das Material abfärbt, bzw. das Material der Jacken etc. durchreibt. Ich kann weder das eine noch das andere bestätigen. Ich habe keine Probleme in der Hinsicht feststellen können.

Mein Fazit:

Meine Jagd nach dem perfekten Rucksack hat mit dem TAD FAST Pack EDC aufgehört. Das kann daran liegen, dass ich von Anfang an diesen Rucksack haben wollte und seitdem jeder andere Rucksack wie eine schlechte Alternative empfunden wurde, aber es kann auch sein, dass der Rucksack einfach so gut ist.

Sicherlich ist er nicht perfekt, sicherlich schaue ich ständig nach anderen Rucksäcken und habe auch noch andere. Aber ich habe nicht mehr diesen unerklärlichen Drang mein Geld mit beiden Händen aus dem Fenster zu werfen, damit ein tief in mir schürfendes Bedürfnis erfüllt wird.

In meinen Augen wurde in diesem Rucksack Style und Funktionalität vorsichtig abgewägt und produziert. Er hat seine Nachteile, aber man kann nicht alles haben – es ist leider so. Mit anderen Außentaschen würde der Gesamteindruck und das -konzept massiv beeinträchtigt werden.

Dieser Rucksack ist für mich das Musterbeispiel, was TAD einmal ausgemacht hat, und was es nicht mehr sein wird.

Wenn man bedenkt, dass der Rucksack nur in kleinen Stückzahlen produziert wird, und das zu 100% in den USA, dann ist der Preis für mich gerechtfertigt.

Fazit: Ein Stück Gear, dass man zumindest einmal in der Hand gehabt haben muss, ansonsten kann und sollte man nicht mitreden.

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