Kizlyar Supreme – Survivalist

Dieses Review erschien ursprünglich im Februar 2014 im Tacticalforum.
Eckdaten:
Stahl: AUS – 8
Klinge: Clip Point, bead blasted
Griffmaterial: Duralumium

Gesamtlänge: 32 cm
Klingenlänge: ca. 19,3 cm
Grifflänge: 10 cm greifbares Stück, 13 cm Griff gesamt.
Griffumfang: 9 cm

Schneide: 19 cm.
Wellenschliff: ca. 5,5 cm
Klingenbreite: 4 cm
Klingendicke: 0,5 cm +/-
Sägerücken: 9,5 cm

Scheide: Nylon, mit ABS Plastik Inlay, MOLLE kompatibel

Das Messer:
Wenn ich Messer von Kizlyar oder Kizlyar Supreme beschreibe, greife ich oft in die Klischeekiste und mache Anspielungen auf russische Frauen. Es sei mir hoffentlich auch dieses Mal erlaubt, wenngleich der Vergleich dieses Mal ein wenig anders ausfällt:
Wenn ich dem Kizlyar Supreme Survivalist einen Frauennamen geben müsste, dann wäre er nicht Tanja, sondern Olga. Ich denke, ihr wisst was ich damit sagen will.
Das Survivalist ist sicher keine Schönheit, trotzdem wurde mit diesem Messer die russische Herangehensweise an ein Survival-Messer sehr interessant verwirklicht.

Klinge:
Die Klinge kommt mit einer klassischen Clip Point Form daher und besitzt eine nicht scharf ausgeschliffene Fehlschärfe, die man bei Bedarf jedoch leicht schärfen kann. Die Primärschneide ist „out of the box“ rasierscharf geschliffen, der Wellenschliff im Gegensatz zu seinen Kollegen der verwandten Kizlyar Fertigung nicht nur brauchbar, sondern auch unheimlich scharf.

Der Klingenrücken ist mit Sägezähnen versehen, die in Stoßrichtung zeigen. Ob hier die verkehrte Richtung praktikabler gewesen wäre, sei dahingestellt. Als Stoßsäge funktioniert das Messer überraschend gut, eine tatsächliche Säge kann und soll es jedoch nicht ersetzen.
Weiters findet man eine Daumenrampe am Rücken, die leicht konkav angebracht ist.

Die Klinge selbst wurde mit einer Hohlkehle versehen, was der Stabilität keinen Abbruch tut. Wenn man sie senkrecht hochhält und betrachtet, fällt auf, dass sie leicht gebogen ist.  Der Anschliff mutet teilweise asymetrisch an, wirkt der Funktionalität jedoch nicht entgegen und ist meines Wissens nach auch bei anderen Firmen nicht anders bzw. besser vorzufinden.

Im Parierelement finden sich zwei Bohrungen. Damit kann man einerseits mittels Shock- oder Paracord eine Schlaufe für die bessere Handhabung verwenden, aber auch das Messer mit seinem hohlen Griff als Speer verwenden.

Griff:
Der Griff ist laut Beschreibung aus Duraluminium gefräst. Die Verarbeitung ist sauber und macht einen wertigen Eindruck.
Am Knauf ist ein Verschlussstück mit einem Lanyard Loch. Der Verschluss selbst, lässt sich widerstandslos abschrauben und öffnet einen Hohlraum im Griff, in dem sich eine kleine, herausnehmbare Kunststoffröhre mit Survivalutensilien befindet.

Das Gewinde des Verschluss ist sauber gearbeitet und kann fest verschraubt werden. Mittels eines O-Ringes, wird der Hohlgriff zusätzlich abgedichtet.

Soweit ich das Messer testen konnte, ist der Griff tatsächlich wasserdicht. Ich habe den Hohlgriff mit einem Stück Toilettenpapier gefüllt, und das Messer 15 Minuten lang im Waschbecken unter Wasser liegen lassen. Als ich den Griff aufschraubte, war der Inhalt nach wie vor staubtrocken.

Die Tiefe des Hohlraums beträgt 7 cm. Der Rest des Griffes wird für die Verbindung mit der Klinge verwendet. Soweit ich es feststellen konnte, ist der Erl des Messers bis zum zweiten Ring des Griffes eingearbeitet. Beidseitig ist die Klinge mit jeweils zwei Nieten festgemacht. Auch Innenseitig wurde etwas gemacht, als Brillenschlange, konnte ich aber nichts Genaues erkennen.

Scheide:
Die mitgelieferte Scheide ist aus einem Cordura artigen Nylonmaterial, dass mit einem Inlay aus ABS Plastik versehen ist. Wie bei den Spec.-Ops. Scheiden, ist das Inlay mit einer  Schraube in der Scheide festgemacht. Diese Schraube ist jedoch massiver als bei Spec.-Ops und ich muss gestehen, dass mir auch das Inlay besser gefällt.

Die Scheide selbst hat vorne und hinten Gurtbänder sowie seitlich angebrachte Ösen mit einer Schnur, die das Gesamtkonzept MOLLE tauglich machen. Die Schnur ist ausreichend lang und mit einem Cordlock versehen und kann somit zum Festzurren am Bein verwendet werden.

Das Messer kann mit zwei Riemen, die per Druckknopf geschlossen werden in der Scheide gesichert werden. Diese sind jedoch nicht in ihrer Länge verstellbar (ein Feature, dass man eigentlich nur bei Universalscheiden findet).

Für Gürtel wird eine großzügig bemessene Öffnung geboten, die jedoch nicht wie bei anderen Nylon Scheiden mittels Velcro zu öffnen ist. Hier muss man noch altmodisch den Gürtel öffnen, wenn man die Scheide abnehmen will. Rückseitig sind noch zwei weitere Schlaufen angebracht, die eine MOLLE Kompatibilität ermöglichen sollen.

Ich muss gestehen, dass ich die Nylon Scheiden von Kizlyar Supreme schlechter in Erinnerung hatte. Dennoch sind sie von der Qualität nicht mit Spec.-Ops. oder Eagle Ind. zu vergleichen. Sie sind aber immer noch besser, als der Großteil anderer Scheiden, die in diesem Preissegment mitgeliefert werden.

Das Camouflage Muster müsste das russische „Surpat“ sein und erinnert stark an das „MARPAT“ der US – Marines.
Wenn ich etwas an der Scheide kritisieren müsste, dann wäre dies der Geruch, der an einen Surplus Army Shop oder ein Armee Lager erinnert. Aber so hat man wenigstens die Garantie, dass das Messer aus Russland kommt.

Survival Set:
Im Griff ist eine Kunstoff Röhre untergebracht, die dem Benutzer des Messers ein Starterkit im Survival Fall bieten soll. Selbstverständlich kann man hier alles, auf den jeweiligen Bedarf ausgerichtet, unterbringen.

Im Kit von Kizlyar Supreme ist Folgendes zu finden:
3 Sturmstreichhölzer mit Reibfläche, eingeschweißt.
3 Angelhaken, 2 Angelgewichte, Angelschnur, eingeschweißt
2 Skalpelle, steril eingepackt
2 Nadeln mit Faden
1 Draht
1 Sicherheitsnadel
1 Pflaster

Eindrücke im Wald:

Wie ihr in dem Video, das ich am Schluss verlinken werde sehen könnt, war ich die Tage mit dem Messer im Wald. Als Erstes habe ich mir von einem gefällten Baum ein Aststück abgesägt, dass ich später für das Batoning eingesetzt habe. Die Säge funktioniert erstaunlich gut, vorausgesetzt man kann das zu sägende Gut ordentlich fixieren (was mir weniger gut gelang, wie man sieht).
Stöcke ließen sich sehr leicht abkürzen und die Spitze hielt meinem Bohren im gefrorenen Baumstamm und den darauf folgenden Stichversuchen stand.
Auch beim Batoning konnte sich das Messer gut beweisen. Hier war auch der leichte Hohlschliff von Vorteil, der mir anfangs Sorgen bereitet hatte. Letzten Endes habe ich es dann wieder darauf angelegt, die Klinge ein wenig zu strapazieren und habe in den Baumstamm gehackt bzw. sie dann weiter per Batoning hineingetrieben.

Die Wärmebehandlung des AUS-8 ist bei meinem Testmesser tadellos durchgeführt worden. Wenn man bedenkt, dass ich damit quasi gefrorenes Holz bearbeitet habe und letzten Endes noch eine ausgezeichnete Gebrauchsschärfe vorhanden war, dann sprechen die Ergebnisse für sich.

Was mir noch persönlich aufgefallen ist:
Durch das Hacken und Batoning, hat sich mehrmals der Verschluss am Griffstück leicht gelöst und musste dann hin und wieder festgezogen werden. Ich denke, dem kann man nicht entgegenwirken, wenn das Messer solchen Schlagimpulsen ausgesetzt ist.

Ein Punkt, der jedoch dem interessierten Leser brennender interessiert, ist die Verbindung zwischen Klinge und Griff, und ob sie den Belastungen im Alltag oder in einer eventuellen Extremsituation stand halten kann.


Ich hatte zunächst meine Bedenken und glaube, dass sieht man mir im Video auch an. Dennoch habe ich im Laufe des Testens immer mehr Vertrauen in das Messer gefunden und bin dann sogar soweit gegangen, es fest in den Baumstamm zu stecken und in beide Richtungen zu biegen. Dabei ist weder der Griff gebrochen, noch hat sich etwas verbogen oder gelockert. Die Klinge hat sich der Belastung entsprechend gebogen und ist dann wieder in ihre Ausgangsform zurück.

Natürlich kann man das Messer zerstören, wenn man es darauf auslegt. Ich denke aber, dass man sich dafür schon eine überdurchschnittliche Belastung ausdenken muss.

Ein Problem, dem man sich jedoch sehr wohl stellen muss, ist die persönliche Vertrauensfrage. Wenn man grundsätzlich nur Fulltang Messer gewohnt ist, so geht man an dieses Messer sicher mit einem gewissen Misstrauen heran. Das ist aber eine reine Wahrnehmungssache und liegt beim jeweiligen Benutzer und nicht beim bzw. am Messer.

Resümee:
Mit dem Survivalist liefert Kizlyar Supreme eine russische Interpretation eines klassischen Survival Messers. Je nach Geschmack kann man eine AUS-8 oder D2 Ausführung auswählen und wird sicher nicht enttäuscht werden. Das Messer ist zwar keine russische Schönheit, aber ein Arbeitstier. Es wirkt massiv, ist dafür jedoch erstaunlich leicht und führig. Es ist nicht makellos bzw. 100% symmetrisch, aber ich denke nicht, dass man sich so ein Messer in die Vitrine stellt.


Beim Survivalist kommen Assoziationen zu Rambo und Konsorten auf und ich denke, der Großteil von uns hatte einmal dieses klassische Survival-Messer mit Kompass im Knauf, dass es für wenig Geld auf Jahrmärkten und in Messerläden gab und vielleicht immer noch gibt.

Hier freut sich definitiv das Kind im Mann und wenn man das Bedürfnis verspürt, kann man hiermit das billige Survivalmesser der Jugend einmotten und mit einem Russen upgraden.

Hier ist noch der Link zum versprochenen Video:

Das Messer gibt es bei Jenni von Klingenwelt.
http://www.klingenwelt.de

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